Tobias Jaecker

Journalist

Antiamerikanismus - Lingua franca Europas

27.5.2007

markovits-amerika.jpg“Amerika, dich haßt sich’s besser” von Andrei S. Markovits ist eine ausgezeichnete Analyse zum Phänomen des europäischen Antiamerikanismus. Die Hauptthese des US-Politikwissenschaftlers lautet, dass die Europäer Amerika nicht für sein konkretes Handeln hassen, sondern für sein Dasein. Zum Beleg führt er unzählige Beispiele aus den vergangenen Jahren an. Ob im Bereich der Politik, der Wirtschaft, der Kultur oder des Sports: Amerika und die Amerikaner werden immer wieder als gewalttätig, rüpelhaft, dumm, konsumversessen, oberflächlich oder künstlich charakterisiert - um nur einige Beispiele zu nennen.

Immer mehr Europäer bekämpfen eine vermeintliche “Amerikanisierung” der Gesellschaft oder fürchten sich vor “amerikanischen Verhältnissen”. Beispiel: Als Jürgen Klinsmann Trainer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft wurde, kritisierten einige Kommentatoren die geplanten “amerikanischen Trainingsmethoden” - für den deutschen Fußball sei das nichts. Manchmal äußert sich der Antiamerikanismus auch widersprüchlich: Viele Menschen schimpfen über die so genannte “Hollywood-Kultur”, schauen aber begeistert die entsprechenden Filme. Ebenso viele hassen McDonald’s, lassen sich die Burger aber trotzdem schmecken. Amerika kann es einfach nicht richtig machen, wie Markovits schreibt: “Damned if you do and damned if you don’t”.

Markovits zeigt, dass der Antiamerikanismus nur wenig mit der Realität zu tun hat, mit US-Präsident Bush und der derzeitigen Regierungspolitik. Vielmehr handelt es sich um ein vorurteilsgeladenes und stereotypes Klischee-Bild. Amerika wird für sämtliche “bösen” Dinge auf der Welt verantwortlich gemacht: Es steht für Kapitalismus und Globalisierung. Aber warum ist der Antiamerikanismus gerade heutzutage so erfolgreich? Er hilft bei der Ausformung einer europäischen Identität. Viele Europäer haben keine Ahnung, für was das vereinigte Europa stehen könnte. Sie wissen nur eins: Dass es nicht wie Amerika sein soll.

Es ist traurig, aber wahr: Der Antiamerikanismus ist zur europäischen “lingua franca” geworden. Markovits’ tiefgründiges und hervorragend geschriebenes Buch ist ein Muss für jeden, der dieses Phänomen verstehen will.

Andrei S. Markovits: Amerika, dich haßt sich’s besser. Antiamerikanismus und Antisemitismus in Europa, Konkret Literatur Verlag, EUR 15

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